Der erste Theorieblock ist geschafft und der langersehnte (oder gefürchtete) erste Praxiseinsatz steht vor der Tür.
Aber was nimmt man eigentlich mit in den OP, damit man am ersten Tag auch schon mitarbeiten kann (obwohl man eigentlich noch gar keinen Plan hat)?
In diesem Post verrate ich dir einige Basics, die du in der Anästhesie bei dir haben solltest.
Viel Spaß beim Lesen!

  1. You Shall Not Pass
    Es fängt bei der Umkleide an und hört beim Bezahlen des Mensaessens auf. Mit dem Allrounder “Multicard”, die du zu Anfang deiner Ausbildung mit einem Foto ausgestellt bekommst, kannst du dich offiziell als Mitarbeiter der MHH ausweisen.
    Sie erlaubt dir, wie oben bereits erwähnt, dich in die OP-Umkleiden einzuschleusen, dein Essen zu bezahlen und später auch Blutgase einzulesen (mit einem Barcode, den du im weiteren Verlauf der Ausbildung bekommst).
    Fun Fact: Für Auszubildende gibt es außerdem eine zusätzliche Karte von der Schule, auf der nochmal dein Name in großer Schrift, deine Ausbildung und dein Ausbildungsstand vermerkt sind. Diese kannst du einfach vor die Multicard in den Kartenhalter schieben, damit jeder Mitarbeiter weiß, ,,Ah, ein*e Schüler*in!”.
  2.  Strahlenschutz ist Selbstschutz
    Das zweite Item, was dir von der MHH gestellt wird, ist dein Dosimeter.
    Das was?
    Bei der Arbeit im OP sind bildgebende Verfahren, wie beispielsweise unsere Röntgengeräte (Stichwort C-Bogen) unerlässlich geworden.
    Selbstverständlich muss man sich gegen die unvermeidliche Strahlung, die mit der Benutzung dieser Gerätschaften einhergeht, schützen, mit dem Ziel und Resultat einer möglichst geringen Strahlenbelastung für den Mitarbeiter.
    Und das geht, unter anderem, mit persönlicher Schutzkleidung (Stichwort: Röntgenschürze), baulichen Maßnahmen oder eben deinem Dosimeter.
    Das ist ja alles schön und gut, aber was macht das Dosimeter denn jetzt?
    Das Dosimeter, oder auch Röntgenplakette, ist ein kleines Messgerät, welches die Strahlungsdosis, die du bei versehentlicher Strahlenexposition ausgesetzt bist, messen kann.
    Dein Dosimeter ist stets auf Tasche am Körper zu tragen und wird alle
    drei Monate in der Abteilung für Strahlenschutz ausgetauscht.
  3.  ,,Hey, ist das Novalgin?“
    …frage ich, als ich aus der Pause wiederkomme und den Anästhesisten mit einer Spritze an der laufenden Infusion hantieren sehe.
    ,,Ja, genau“, ist die Antwort, als sich zwei Milliliter einer klaren Flüssigkeit in sanften Schlieren mit der kristalloiden Lösung in der halbvollen Flasche vermengen, ,,hast du vielleicht was zum Schreiben dabei? Man, ich sollte mir auch mal ‘nen Edding besorgen…“, wird noch an die Bitte angehängt.
    Wir tauschen, ich bekomme die leere Spritze, der*die Anästhesist*in meinen Stift. In großen, schwarzen Zügen wird 1g NOVALGIN auf der Infusion verewigt und die Laufrate angepasst.
    Egal ob Infusionen beschriften, Verlängerungen und Zugänge kennzeichnen oder ein Handschuhballontier für ängstliche Kinder basteln: Einen Edding oder Filzstift zu haben zahlt sich aus. Immer.
  4. Pen & Paper
    Bleiben wir bei Schreibwaren und widmen uns dem guten alten Kugelschreiber und dem Notizbuch.
    Es passiert im OP schnell, dass man sich mal eben etwas aufschreiben will und dann froh ist, dass man diesen Post gelesen hat, der einem sagt, dass man einen Kugelschreiber (oder zwei) auf Tasche haben sollte.
    So kann man mühelos Transfusionskarten ausfüllen, sich Telefonnummern aufschreiben oder auch mal einem netten Mitarbeiter einen Stift ausleihen.
    Im Notizbuch lassen sich dann Medikamente und ihre Dosierungen, sowie Praxistipps, Arbeitsabläufe, Wegbeschreibungen und andere wichtige Dinge aufschreiben (dir sind da keine Grenzen gesetzt).
    Pro Tip: Ein Telefonbuch mit alphabetisch sortierten Reitern erlauben es dir, Ordnung in das Notizenchaos zu bringen. So kannst du beispielsweise alles was du zu Transfusionen lernst unter dem Reiter T, alles zu Propofol unter P vermerken und so weiter. So sparst du dir das nervige Hin -und Hergeblätter und findest deine Informationen schneller.
  5.  Anesthesia Scissorhands
    Egal, ob es das zu kürzende Tubuspflaster, widerspenstige Verpackungen, in Mullbinde eingepackte Zugänge oder das Eis im Aufwachraum sind: Eine Schere ist die Lösung.
    Im OP kann man einfach einen freundlichen Mitarbeiter oder euren Mentor fragen, ob man euch eine Verbandsschere geben kann und schon seid ihr ausgestattet!

So, der erste Tag im OP ist geschafft, du konntest dich mit deiner Multicard problemlos einschleusen und mit deiner Röntgenplakette einen wichtigen Beitrag zu deinem persönlichen Strahlenschutz leisten, Tubuspflaster schneiden und einem vergesslichen Kollegen deinen Edding leihen. Am Ende des Tages schreibst du dir noch die neu gelernten Medikamentendosierungen in dein Notizbuch und kannst zufrieden den Heimweg antreten.
Natürlich gibt es noch viele weitere schöne Dinge, die du in den (un)endlichen Weiten deiner Kasacktaschen aufbewahren kannst, wie zum Beispiel einen eigenen Stauschlauch oder ein Stethoskop. Für den ersten Praxiseinsatz reichen die oben genannten Dinge jedoch vollkommen aus um mitzumachen und einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Wie man den ersten Praxiseinsatz sonst gut übersteht, wie man mit den gefürchteten Fettnäpfchen umgeht und, dass das Arbeiten im OP nicht so ganz wie in Grey’s Anatomy ist, erfährst du in den verlinkten Posts!

Bis dahin viel Spaß beim ersten Einsatz!

Deine Charlotte

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