Warum Top-Noten nicht das Wichtigste sind

Wie lerne ich richtig? – Diese Frage begleitet uns bereits, meist unterbewusst, unser gesamtes Schulleben über und findet mit der Ausbildung auch keinen Abbruch. Wenn man es genau nimmt, lernen wir sogar unser Leben lang nie aus und sollten uns die Freude am Lernen beibehalten. 

Aber wie lerne ich nun richtig? Gibt es überhaupt das richtige Lernen? Ist richtiges Lernen gleichzusetzen mit top Noten und einem leichten Schulalltag in der Ausbildung? 

Zuerst einmal muss ich dich enttäuschen – DAS richtige Lernen mit der einhundertprozentigen Erfolgsformel gibt es nicht und es wird dir auch niemand abnehmen können, dass du dich hinsetzt und selber für dich lernst. 

Jeder von uns ist individuell, hat andere Interessen, andere Vorlieben und obwohl Vorzeige-Schüler „XY“ oder Study Influencer „sowieso“ immer von dieser einen super tollen, ganz neuen und hoch effizienten Lernmethode geschwärmt haben und auf 10 Stunden lernen am Tag mit nur einer Pause schwören, oder sie alles auf Karteikarten schreiben oder was auch immer erzählen… Sie sind nicht du! Und deshalb solltest du dich auch nicht genötigt fühlen, dass nur ihr Weg der Richtige ist. Denn im Grunde genommen gibt es schlicht weg kein richtig oder falsch beim Lernen.  

Du musst nur mutig sein und deinen eigenen Stil entwickeln. Das funktioniert ungefähr so wie du deinen Kleidungsstil entwickelst oder deinen Musikgeschmack. Du probierst eine Idee oder einen neuen Ansatz aus und schaust einfach was passiert. Wie leicht fällt es dir, wenn du beispielsweise morgens um neun am Schreibtisch sitzt und mit dem Lernen anfängst? Oder bist du eher jemand, der sich abends besser konzentrieren kann? Reichen dir kurze Stichpunkte oder arbeitest du lieber mit kreativen Zeichnungen oder sind es doch die ausführlichen Mitschriften? Oder eine Mischung? Mit oder ohne Musik? 

Wie du siehst sind die Optionen fast unendlich und es gibt so viel abseits der ausgetrampelten Wege, zu entdecken. Wenn du diese kleine Reise – den eigenen Lernstil zu finden – eingehst, wirst du überrascht sein. Überrascht darüber, was du alles kannst, was hinter dem Tellerrand auf dich wartet, wer du bist und wohin du willst.  

Ich möchte dich nicht desillusionieren, aber du wirst auch mal auf die Nase fallen. Und dann wirst du auch wieder aufstehen, aus dem Fehler lernen und es beim nächsten Mal anders und besser machen.  

Wenn du offen und motiviert bist, dann wirst du in der Pflegeausbildung viel über dich und deine Mitmenschen lernen. Es wird nicht immer nur entspannte und schöne Tage geben, aber du wirst immer wieder über dich hinauswachsen.  

Und weißt du was ich am meisten an der Pflegeausbildung feiere? 

Ich lerne nichts, dass ich später nicht anwenden muss und das unwichtig ist. Mit jeder noch so kleinen Lerneinheit wird dir ein Werkzeug an die Hand gegeben, mit dem du Menschen – echten Menschen mit echten Leiden – helfen kannst. Mal erleichterst du die Schmerzen oder linderst Sorgen oder zauberst einfach nur ein Lächeln auf das Gesicht deines Patienten.  

Und was hat das mit meinem Lernen zu tun, fragst du dich? Ganz einfach: Du lernst nicht nur für die Eins Plus in der nächsten Klausur. Du lernst, um in Notfallsituationen zu helfen, Leben zu verbessern und den dir anvertrauten Menschen bei der Bewältigung ihrer Erkrankungen zu unterstützen!  

Damit wären wir auch schon bei meiner letzten Frage vom Anfang: Ist richtiges Lernen gleichzusetzen mit top Noten und einem leichten Schulalltag?  – Ja und Nein! Ja, wenn du DEINEN LERNSTIL gefunden hast wird dir der Alltag in der Schule und im Betrieb leichter fallen. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Und nein, richtiges Lernen hat nicht immer was mit der perfekten Note zu tun. Noten spiegeln immer nur eine Momentaufnahme deines Wissensstandes wider und sind leicht zu beeinflussen. Hast du gut oder schlecht geschlafen? Wie gut kannst du dein Wissen in Worten wiedergeben und hast du vielleicht Prüfungsangst oder fällt es dir besonders leicht unter Druck zu arbeiten? Viel wichtiger sollte es für dich sein, dass du was Wissen aus der Lerneinheit im richtigen Moment – nämlich am Patienten – korrekt anwenden kannst. Hab keine Angst vor einer versemmelten Klausur, dass passiert den Besten.  

Abschließend kann ich dir nur noch einmal raten: Sei mutig und sei du selbst! Geh kritisch mit dem um, was dich beeinflusst! Und lass dich nicht entmutigen, wenn es mal nicht auf Anhieb klappt! Probiere auch mal was Neues, außerhalb deiner Komfortzone aus… 

Jetzt wünsche ich dir viel Erfolg und Spaß beim Lernen und vielleicht begegnet man sich irgendwann einmal in der BAP oder in der Klinik. 

Hab einen wundervollen Tag, 

Joke 

 

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1 Kommentar

  1. Hallo Joke,
    beim Stöbern auf eurem Blog habe ich deinen tollen Artikel gefunden.
    Und, dass du einen Faible für hübsche Lernzettel hast finde ich richtig genial, gerade weil dein Artikel genau das widerspiegelt.
    Ich freue mich noch mehr von dir zu lesen und bin jetzt schon riesiger Fan eures Blogs. Viele Grüße Sunny

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