Im Rahmen der Zusammenarbeit und des intraprofessionellen Austauschs hat die Bildungsakademie Pflege am 05. Juli Besuch von der Berufsfachschule Pflege der Klinik Forchheim Fränkische Schweiz bekommen. Begleitet wurde dieser Projekttag sowohl von den zwei Praxisanleiterinnen (PA) Kirsten Emme und Hannah Tönsfeuerborn, als auch von zwei weiteren Mitschülerinnen aus dem Schwerpunkt Pädiatrie, sowie von Eric Masur.

Auf dem Programm standen ein Wunsch-Vortrag zum Thema pädiatrische Herztransplantation und Herzchirurgie, bei dem uns Dr. Horke von den experimentellen Versuchen aus der 50er-Jahren erzählte, bei denen die erste Herz-Lungen-Maschine (HLM) entstand.

Denn etwas, das ich mir persönlich kaum vorstellen konnte, war die Tatsache, dass Kinder zur damaligen Zeit (eine HLM gab es ja noch nicht bzw. waren die ersten Modelle nur für Erwachsene und recht unzuverlässig) direkt an den Blutkreislauf eines Elternteils mit passender Blutgruppe angeschlossen wurde. Der Vater oder die Mutter haben also durch ihren eigenen Kreislauf den des Kindes abgesichert. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass, wenn etwas schief ging, meistens nicht „nur“ nur eine Person betraf, sondern oft gleich zwei Personen, da  letztendlich ja zwei Personen auf dem OP-Tisch lagen, die durch diese unglaublich verrückte Aktion potenziell geschädigt werden konnten.

Weniger wild, aber genauso spannend ging es bei uns nach der Mittagspause weiter. Vom Bistro im universitären Bereich der MHH ging es einmal quer durch die Gebäude bis zur Kinderklinik. Dort haben wir unsere 22-köpfige Gruppe halbiert und dann ging es für ein hautnahes Erlebnis direkt auf die Stationen.

Die Gruppe mit der PA Hannah Tönsfeuerborn hatte die Chance, die pädiatrische Kardiologie, die pädiatrische Intensivstation (Station 67) sowie das SkillsLab unterhalb der Kinderklinik zu besichtigen.

Geplant war, dass die Gruppen später am Tag nochmal die Bereiche tauschen, so dass alle Auszubildenden aus Forchheim auch jeden Bereich einmal sehen konnte. Letztendlich haben wir aber in den Gruppen so viel Zeit auf den jeweiligen Stationen verbracht, dass keine Zeit mehr zum Tauschen blieb.

Gruppe 2 wurde durch die PA Kirsten Emme begleitet und konnte einen sehr beeindruckenden Einblick in die pädiatrische Onkologie erhalten. Zunächst sind wir auf die frisch renovierte Station 64 gegangen und nachdem Kirsten die Besonderheiten der Station und das hohe Engagement des Kollegiums vorgestellt hatte, konnten wir über die Station gehen und uns dort tolle, teilweise durch den Elternverein finanzierte und liebevoll gestaltete Räume anschauen, in denen die kleinen und größeren onkologischen Patient*innen zum Beispiel Sport treiben oder sich künstlerisch austoben können. Außerdem war ein Einblick auf die sogenannte „Dachterrasse“ (onkologische Tagesklinik) möglich und eine sehr nette Pflegefachperson hat einige Eindrücke aus ihren 30 Jahren Dienstzeit in der MHH berichtet.

Auch die Station 62 (Knochenmarkstransplantation) durften wir besichtigen. Diese Station hat gleich mehrere Besonderheiten zu bieten.

Einerseits trägt dort nicht nur das klinische Personal die blaue Bereichskleidung, sondern auch Besuchende, also bspw. Eltern, müssen sich komplett umziehen und Kasack, passende Hose sowie Bereichsschuhe tragen. Man merkt also schon, aufgrund der kritischen Lage der Immunsysteme aller Patient*innen, ist Hygiene und sauberes Arbeiten besonders wichtig. Auch ungewöhnlich ist die Patient*innenanzahl. Die „normale“ Akutstation in einer Klinik hat meistens zwischen 12-30 Betten. Die Station 62 hingegen kann maximal 6 Kinder aufnehmen, denn die medizinisch-pflegerische Arbeit ist hier so aufwendig und muss so penibel ausgeführt werden, dass einfach nicht so viele Patient*innen pro Pflegefachperson versorgt werden können, wie auf anderen Stationen.

Noch etwas Besonderes war, besonders für mich aus Sicht einer Auszubildenden, die 10m langen Leitungen, über die Infusionen in die Patient*innen gelangen.

Normalerweise ist so eine sehr dünne und meist durchsichtige Infusionsleitung 1,5m (kurz) oder 3m (lang) lang. Das hier nun mit speziell 10m langen Leistungen gearbeitet wird liegt daran, dass der Perfusor oder Infusomat (ein Gerät, dass flüssige Medikamente/Infusionen über einen Venenkatheter in den Patienten befördert) nicht direkt neben dem Patientenbett steht, sondern hinter einer Wand, in einem abgesonderten Vorraum bzw. einem Schleusenraum. Und weil die Leitung ja nicht einfach auf dem Boden liegend und durch die offene Tür gelegt werden kann (Stichwort: Hygiene und Patientensicherheit – sonst wären wir wohl etwas wahnsinnig!), gibt es kleine Löcher/Tunnel in der Wand zwischen Schleuse und Patientenzimmer, durch welche die Leitungen gelegt werden. So kann gewährleistet werden, dass die Pflegefachpersonen ganz regelmäßig und korrekt die vielen Infusionen wechseln können, ohne die Patient*innen mit schlechtem Immunsystem durch zu viel Kontakt und Tür-auf-Tür-zu, zu gefährden.

Für mich war der kurze Einblick in die pädiatrische Onkologie wirklich beeindruckend und ich freue mich schon auf meinen kommenden Einsatz auf der Station 62.

Auch der Austausch mit den bayrischen Pflegeazubis hat sehr viel Spaß gemacht. Wir konnten tolle Gespräche über all die kleinen Verschiedenheiten in unseren Kliniken und Pflegeschulen führen und haben trotzdem feststellen dürfen, dass wir doch auch alle im gleichen Boot sitzen und im Verlauf der Ausbildung vor sehr ähnlichen Herausforderungen stehen.

Abschließend möchte ich nochmal meinen Dank für den tollen Tag an die Pflegeschule der Klinik Forchheim Fränkische Schweiz ausdrücken und hoffe, dass es euch genauso gut gefallen hat, wie uns.

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Joke Bertram
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